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„Tötet ihn!“

„Blendet ihn!“

„Treibt ihn aus dem Wald hinaus!“ Die Wunde in Tigerkralles Bauch pulsierte Qualvoll und er fühlte wie sich warmes, klebriges Blut um seine Pfoten sammelte. Die wütenden Worte seiner Clankammeraden schienen von weit weg zu kommen, als ob er unter Wasser wäre, eingehüllt in friedvolle Kälte. Du hast verloren! Kreischte eine Stimme in seinem Kopf. Geschlagen von einem Hauskätzchen und einem Haufen Dummköpfen! Tigerkralle fühlte, wie sich seine Lippen zu einem Knurren verzogen. Ich habe diesen Kampf verloren, gab er schweigend zu. Aber so lange noch Blut in meinen Adern fließt, werde ich nicht aufgeben.

„Tigerkralle“, miaute Blaustern, „hast du etwas zu deiner Verteidigung zu sagen?“ Das blau-graue Fell der DonnerClan Anführerin war Blut verklebt, ihre Augen waren trüb und leer. Tigerkralle fühlte wie Zufriedenheit in ihm aufstieg. Wenigstens hatten seine Taten und seine sorgsam geschmiedeten Pläne sie innerlich verwirrt und zerschmettert. Er erkannte eine gebrochene Katze wenn er sie sah. Dies würde das Ende von Blausterns Führung sein, auch wenn er es nicht geschafft hatte, ihr ihr letztes Leben zu nehmen. Seine Gedanken betäubten den Schmerz in seinem Bauch und gaben seinen zitternden Beinen kraft. „Mich vor dir verteidigen, du armseliges Exemplar einer Möchtegern-Kriegerin?“ zischte er. „Was für eine Anführerin bist du denn? Den Frieden mit anderen Clans bewahren! Ihnen helfen! Du hast Feuerherz und Graustreif kaum dafür bestraft, dass sie den FlussClan mit Nahrung versorgt haben, und du hast sie losgeschickt, den WindClan nach Hause zu holen. Ich hätte nie solche Hauskätzchen Schwäche gezeigt. Ich hatte die Tage des TigerClans zurückgebracht. Ich hätte den DonnerClan groß gemacht!“

„Und wie viele Katzen wären dafür gestorben?“, fragte Blaustern mit leiser Stimme. Sie schüttelte sich und hob dann den Kopf. „Wenn du sonst nichts zu sagen hast, verbanne ich dich hiermit ans dem DonnerClan“, verkündete sie. „Du wirst das Territorium des DonnerClans sofort verlassen. Wenn eine Katze dich morgen nach Sonnenaufgang hier noch sieht, hat sie meine Erlaubnis, dich zu töten.“

„Mich töten?“ fauchte Tigerkralle. „Den möchte ich sehen, der das versucht.“

„Feuerherz hat dich besiegt!“ jaulte Graustreif.

„Feuerherz.“ Tigerkralle drehte langsam den Kopf um das orangefarbene Hauskätzchen anzublicken. Ein Kriegername wird dich niemals Clan geboren machen, ganz egal was deine Kammeraden sagen! „Lauf mir noch einmal über den Weg, du stinkende Fellkugel, und wir werden sehen, wer der Stärkere ist.“

Feuerherz sprang mit peitschendem Schwanz auf, sein Auge war geschwollen von einem Prankenhieb den Tigerkralle ihm verpasst hatte. „Jederzeit, Tigerkralle“, fauchte er.

„Nein“, knurrte Blaustern. „Keine Kämpfe mehr. Tigerkralle, geh mir aus den Augen.“

Tigerkralle hievte sich auf die Pfoten, seine Beine zitterten. Eine frische welle Blut pulsierte aus seinem Bauch als die Ränder seiner Wunde wieder aufrissen. Er hörte wie die Katzen um ihn herum nach Luft schnappten, ignorierte es aber. Schmerz ist nichts! Eine Niederlage ist nichts!

„Glaubt nicht ich wäre am Ende“, warnte er und schaute in die verausgabten Gesichter um ihn herum. „Ich werde ein Anführer sein. Und jede Katze, die jetzt mit mir kommt, wird gut versorgt werden.“ Er suchte nach seinen engsten Verbündeten im DonnerClan, die Katze die ihm immer gesagt hatte, dass er Anführer sein sollte. „Dunkelstreif?“

Der schwarz gestreifte Krieger blieb wo er war, zwischen all den anderen Kriegern. „Ich habe dir vertraut, Tigerkralle“, wimmerte er. „Ich dachte, du wärst der nobelste Krieger im ganzen Wald. Aber du hast ein Komplott geschmiedet mit diesem… diesem Tyrann.“ Tigerkralle vermutete, dass er Braunschweif meinte, den verbannten Anführer des SchattenClans der nun im DonnerClan Lager lebte. „Und du hast mir nichts davon erzählt. Da erwartest du, dass ich mit dir komme?“ Er senkte den Kopf, unfähig in Tigerkralles Augen zu schauen.

Verräter! Du wagst es mich vor all diesen Katzen zu leugnen? Du wirst mit jedem Haar deines Pelzes dafür bezahlen!

Tigerkralle zwang sein Fell angelegt zu bleiben. „Ich brauchte Braunschweifs Hilfe um die Streunenden Katzen zu kontaktieren. Wenn du das persönlich nimmst, ist das dein Problem“, schnaubte er. Er schaute zu einer anderen Katze die auf seine Pläne gehört hatte und versprochen hatte ihm treu zu sein wenn er dem Clan eine klare und starke Führung verschafft hatte. „Langschweif?“

Der helle getigerte Kater zuckte zusammen. „Mit dir kommen, Tigerkralle? In die Verbannung?“ seine Stimme bebte. „Ich… nein, ich kann nicht. Ich bleibe dem DonnerClan treu!“

Du armseliger Feigling! Schrie Tigerkralle stumm. Er betrachtete die Reihen der Katzen und suchte nach einem Anzeichen von Verständnis, dass dieser schwache Hauskätzchen bevorzugende Clan kein Ort für wahre Krieger war. „Wie steht’s mit dir, Borkenpelz?“ grollte er. „Du wirst mit mir erfolgreicher sein, als du es jemals im DonnerClan sein wirst.“

Der junge braun getigerte Kater erhob sich auf die Pfoten und suchte sich seinen Weg durch die umstehenden Katzen, bis er direkt vor Tigerkralle stand. „Ich habe zu dir aufgeschaut“, räumte er ein. „Ich wollte so sein wie du. Aber Rotschweif war mein Mentor. Ich verdanke ihm mehr als jeder anderen Katze. Und du hast ihn umgebracht.“ Seine Augen wurden riesig und er fing an den Kopf zu schütteln. „Du hast ihn umgebracht und den Clan verraten. Ich würde lieber sterben als dir zu folgen!“

Rotschweif hatte den Tod verdient! Er ähnelte Blaustern zu sehr, suchte immer nach Frieden und Freundschaft. Es war eh nur glück gewesen, dass Eichenherz ihn nicht vor dem Erdrutsch schon getötet hatte. Rotschweif hätte diesen Kampf niemals überlebt.

„Tigerkralle!“ Blaustern unterbrach seine Erinnerung von Staub und fallenden Steinen und einem breiten roten riss der sich in Rotschweifs Kehle öffnete. „Nichts mehr davon. Geh jetzt!“ Tigerkralle reckte sich zu voller Höhe auf, und traf ihren Blick. „Ich gehe. Aber ich werde zurückkommen, darauf kannst du dich verlassen. Ich werde mich an euch allen rächen!“ Er drehte sich um und ging mit zusammengebissenen Zähnen davon. Ich werde ihnen nicht zeigen wie schwer ich verletzt bin! Er blieb auf einer Höhe mit Feuerherz stehen. „Und was dich angeht…“ zischte er. „Halt die Augen offen, Feuerherz. Und spitz die Ohren. Schau immer hinter dich. Denn eines Tages werde ich dich finden und dann bist du Krähenfraß.“

„Du bist jetzt schon Krähenfraß“, Schnappte Feuerherz, doch Angstgeruch stieg aus seinem Pelz auf.

Tigerkralle schaute in die geweiteten grünen Augen des Kriegers. Du wusstest schon, dass ich dich eines Tages töten werde. Deinen Letzter Atemzug wirst du zwischen meinen Pfoten keuchen. Dein letzter Tropfen Blut wird auf meinem Fell vergossen werden. Steine werden bersten und der Himmel wird fallen wenn wir in unserem Finalen Kampf aufeinander treffen.

Mit einem schnippen seines Schwanzes das sich anfühlte, als würde es seinen Bauch auseinander reißen, lief er über die Lichtung ohne zurück zu blicken. In der Kinderstube konnte er das winzige miauen seines Sohns und seiner Tochter, Brombeerjunges und Bernsteinjunges, hören, das schnell von ihrer Mutter Goldblüte erstickt wurde. Ich werde für euch zurückkommen, schwor Tigerkralle. Er würde nicht zulassen, dass seine Jungen in einem Clan von Schwächlingen aufwuchsen. Sie verdienten es von ihm zu lernen und sich ein Beispiel an seinem Mut und seinen Fähigkeiten zu nehmen. Einige Fähigkeiten hast du heute schon gezeigt! Sprach die Stimme in seinem Kopf. Stachelkralle hätte dir eins auf die Ohren gegeben dafür, dass du dich von einem Hauskätzchen und einer Sternen-verrückten alten Kätzin hast besiegen lassen.

Stachelkralle hätte es niemals gewagt die Führung seines Clans an sich zu reißen. Tigerkralle zuckte zurück. Wenn er Blaustern nicht den Vortritt als zweiter Anführer gelassen hätte, wäre jetzt alles anders. Er hätte mich ausgewählt um mit ihm erfolgreich zu sein und der DonnerClan wäre so stark wie er es verdient hätte!

Er bahnte sich seinen Weg durch den Ginstertunnel, und nahm nur nebenbei die Dornen war die an seinem Blutigen Fell kleben blieben. Der Dornenwahl war von fliehenden Katzen zertrampelt und zerrissen worden, Katzen die geschworen hatten an Tigerkralles Seite zu kämpfen bis er Blaustern getötet hatte, als er ihnen versprach sie zu den nobelsten Kriegern im DonnerClan zu machen. Tigerkralle spukte auf die staubige Erde. Im hätte etwas Besseres einfallen sollen als auf dieser halb trainierten Streuen dazu vertrauen. Nur eine clangeborene Katze hatte den wahren Instinkt eines Kriegers. Die Vertriebenen SchattenClan Katzen hatten ihn enttäuscht, zu verweichlicht durch die Mond die sie allein überleben mussten, waren sie leicht von den kämpfenden Katzen vertrieben worden. Tigerkralle brauchte mehr Zeit, um sie an ihr hartes Training bei Braunstern zu erinnern. Sie hatten den früheren Schattenclananführer vielleicht dadurch kritisiert das er zu viel von seinen Kriegern verlangte, aber er hatte sein Clan zu dem meist gefürchteten und stärksten im Wald gemacht. Wer konnte ihn dafür schon verurteilen?

Und Tigerkralle hätte vielleicht sogar gewonnen wenn der FlussClan nicht am Wendepunkt des Kampfes aufgetaucht wäre, Nebelfuß und Leopardenfell waren aufgebrochen um die Clankatzen zu retten die vor einigen Monden noch ihre Feinde gewesen waren. Warum zeigten die Clan so viel Gnade gegenüber den anderen? Was scherte es den FlussClan wenn der DonnerClan sein Anführer verlor? Tigerkralle spürte wie sein Fell sich aufstellte. Natürlich war es im Interesse des FlussClans Blaustern am Leben zu erhalten, verweichlicht, dumm und unfähig die Sonnenfelsen zurückzuerobern. Wahrscheinlich was Schiefsterns größte Angst Tigerkralle als Anführer des nächstliegenden Clans zu haben.

Die gesprenkelten Schatten die von den durch den Wind geschüttelten Eichen und Birken auf den Boden geworfen wurden wichen der kalten feuchten Düsternis der Kiefern die die Grenze zum Zweibeinerort markierten. Tigerkralle hielt einen Moment inne um sich zu versichern, dass keine Katze ihn verfolgte, aber der Wald war still abgesehen von dem Ruf einer Amsel und dem knirschen der Äste wenn sie gegeneinander schlugen. Mit einem schmerzerfüllten knurren ließ er sich auf einen Fleck Moos fallen. Er reckte seinen Hals um die wunde an seinem Bauch in Augenschein zu nehmen. Feuerherz hatte Glück gehabt das er ihm so nahe gekommen war. Aber wenn er Tigerkralle wirklich hätte verletzen wollen, hätte er ihm an die Kehle gehen sollen.

Tigerkralle presste ein wenig Moos auf die Wunde und er zischte als er stärker presste um die Blutung zu stoppen. Sein Kopf war taub vor Schmerz und er kämpfte gegen die schwärze die hinter seinen Augen hinaufkroch. Er stellte sich den Clan vor den er zurückgelassen hatte, durch den Kampf verletzt und im Staub kauernd. Wollte er wirklich der Anführer von Kriegern sein, die sich fast von einer Halb Trainierten Patrouille Streuner hatten Schlagen lassen? Feuerherz hatte all den Ruhm eingeheimst, wie immer, und alle Katzen hatten mit Reh-Äugiger Bewunderung an seinen Lippen gehangen. Wenn sie so bereitwillig auf ein Hauskätzchen hörten, verdienten sie einen Anführer wie Tigerkralle gar nicht. Wie konnte Blaustern es wagen ihn zu verbannen? Hatte sie vergessen wie viele Schlachten er für den DonnerClan gewonnen hatte, wie er Beute für seinen Clan besorgt hatte, und die Grenzen gegen ihre Feinde verteidigt hatte? Sie verdankten ihm alles! Doch letzten Endes hatten sie ihn schlimmer als einen Läusebefallenen Fuchs behandelt. Er hätte der beste Anführer den der DonnerClan jeh gekannt hatte werden können!

Besser als dein Vater, Kiefernstern, schnurrte die Stimme in seinem Ohr. Er hat seinen Clan betrogen, er hat dich betrogen, als er ging um ein Hauskätzchen zu werden. Du würdest deine Clankammeraden niemals verlassen wenn du ihr Anführer wärst.

Das Moos unter seinen Pfoten quoll über vor Blut. Mit einem Grunzen schob er es beiseite und suchte nach einem weiteren Klumpen. Da war kein weiches grünes Moos mehr, aber er entdeckte trockenes Laub in Reichweite. Er presste es gegen seinen Bauch und schob es in seine Wunde. Er fühlte wie Triumpf in ihm aufstieg: Der Wald hatte versucht ihm das Moos wegzunehmen, aber er hatte etwas anderes gefunden!

Tigerkralle setzte sich auf und lauschte als er in die Bäume starrte. Es gab mehr als einen Clan im Wald. Mehr als eine Chance Anführer zu werden. Sein Schicksal musste wo anders liegen. Tigerkralle würde nur zum DonnerClan zurückkehren um seine ehemaligen Clankammeraden im Kampf zu zerschmettern. Er würde nicht noch einmal versagen.

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