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Graue feuchte Farnwedel strichen Tigerkralles Pelz als er durch den Wald lief. Über ihm war der Himmel schwarz, ohne das Kleinste schimmern des Mondes oder der Sterne. Trotzdem gab es genug Licht um die endlosen Baumstämme die vor ihm aufragten und einen Weg aus schleimigem Matsch zu sehen. Die Luft roch verrottet, wie Pilze oder vergessene Frischbeute. Die Blätter über Tigerkralle raschelten leise obwohl kein Wind wehte und der schwere Nebel schien vom feuchten Boden aufzusteigen und sich an das Fell seines Bauches zu hängen. Wo bin ich? Wunderte sich Tigerkralle. Ist das der SternenClan?

„Nein, dies ist der Wald der Finsternis“, miaute jemand hinter ihm.

Tigerkralle erstarrte. Er kannte diese Stimme! Es war jene, die in seinem Kopf mit ihm sprach. Mit gesträubtem Pelz drehte er sich langsam um.

Eine Kätzin mit breitem Gesicht stand zwischen den Farnen, ihr schildpatt und weiß getupftes Fell vernarbt von längst vergangenen Kämpfen. Ihre bernsteinfarbenen Augen leuchteten wie goldene Monde. Sie sahen viel heller aus als der Rest der Kätzin und Tigerkralle wurde sich unangenehm bewusst, dass er die Blätter und den Boden hinter der Kätzin sehen konnte.

„Willkommen im Wald der Finsternis, Tigerkralle“, miaute die Kätzin.

„Das ist also nicht der SternenClan?“

„Pah!“ spuckte die alte Kätzin. „Warum solltest du zum SternenClan wollen? Dieser Ort ist voll von schwachköpfigen Feiglingen die sich an das Gesetz der Krieger klammern wie Ameisen an ein Blatt in einer Pfütze. Du wirst unter den Katzen hier bessere Kammeraden finden, Tigerkralle.“

Tigerkralle knetete den Boden mit den Pfoten. „Wer bist du? Und woher kennst du meinen Namen?“

Die Kätzin schnurrte, es klang wie zwei tote Äste die aneinander rieben. „Ich beobachte dich schon seit langer Zeit.“ Sie schritt vorwärts und streckte den Kopf vor um an seiner Flanke zu schnüffeln. Tigerkralle versuchte beim Gestank ihres Atems nicht zusammen zu zucken. „Der SchattenClan brauch einen Furchtlosen und starken Anführer“, murmelte die alte Katze. „Du weißt das du ihnen alles geben kannst was sie wollen, Tigerkralle. Und danach… werde ich warten.“

Sie drehte sich um und machte Anstalten zu gehen. „Stopp!“ kreischte Tigerkralle. „Was meinst du mit, du wirst warten? I weiß nicht mal wer du bist!“

Die Kätzin hielt inne und schaute zu ihm zurück. „Mein Name ist Ahornschatten.“, miaute sie. „Ich bin seit dem Tag deiner Geburt an deiner Seite, ich leite deine Pfotenschritte und lege dein Schicksal vor dir aus. Im Moment brauchst du nicht mehr zu wissen. Noch viel, viel mehr liegt vor uns, Tigerkralle. Habe Geduld, dann wirst du alles herausfinden.“

„Warte!“ Tigerkralle wirbelte herum um ihr nachzurennen, aber seine Beine verfingen sich im Farn, und Ahornschatten verschwand im Gestrüpp. Mit einem Sprung wachte er auf, sein Fell immer noch feucht und voll vom Geruch der Pilze und sterbender Dinge.

„Ewww!“ hustete Stummelschweif und stolperte zur anderen Seite des Nestes. „Hast du dich gestern in irgendetwas Fauligem gewälzt?“

Tigerkralle lugte aus dem Bau heraus und duckte sich unter dem umgestürzten Baumstamm. „Sei nicht albern!“ zischte er. „Komm mit, wir müssen sofort zum Lager.“

Schwarzfuß sprang an seine Seite. „Ist etwas passiert? Hattest du einen Traum vom SternenClan?“

Tigerkralle schüttelte ungeduldig den Kopf. „Wir müssen einfach nur dort sein.“

Er stürmte zwischen den Bäumen hindurch wärend Ahornschattens Worte immer noch in seinen Ohren hallten: Der SchattenClan brauch einen Furchtlosen und starken Anführer. Du kannst ihnen alles geben was sie wollen. Er hörte wie die anderen Katzen hinter ihm hechelten und stolperten, aber er wurde nicht langsamer bis er den Eingang zum Lager erreichte. Sofort hörte er einen tiefen, klagenden Ton, viele Stimmen stimmten in den Klang der Trauer ein.

Triefnase stand in der Mitte der Lichtung, umgeben von Katzen die trauernd zusammen hockten. Sein Schweif schleifte im Dreck und er sah noch älter aus als die Tage zuvor. Er trottete zu Tigerkralle und leitete ihn zum Rand des Lagers. „Nachtstern ist letzte Nacht gestorben“, murmelte er.

Tigerkralle senkte den Kopf. „Ich bedauere euren Verlust“, miaute er. „Ich hoffe er wandert jetzt mit dem SternenClan.“

Triefnases Schweif zuckte. „Wo auch immer Nachtstern ist, ich hoffe er hat Frieden gefunden. Das wichtigste was jetzt zu tun ist, ist den Rest meines Clans zu beschützen.“ Er starrte Tigerkralle an, seine Augen riesig und vernebelt. „Meine Clankammeraden haben Angst weil sie keinen Anführer haben. Es gibt keinen Stellvertreter der Nachsterns Position übernehmen kann und der SternenClan hat mir kein Zeichen gesendet was wir tun sollen. Wie soll ich diesen Katzen verdenken das sie sich von ihren Vorfahren verlassen fühlen?“ Seine Stimme steigerte sich in ein grauenerfülltes Jaulen. „Was wenn wir uns niemals von dem erholen was Braunstern uns angetan hat? Die Wunden sind so tief und nichts was ich tue wird sie heilen.“

Tigerkralle legte seinen Schweif auf die Schulter des alten Katers. „Du musst stark sein“, mahnte er. „Ohne einen Anführer werden deine Clankammeraden sich an dich halten. Der SternenClan hat den SchattenClan noch nicht aufgegeben, und du solltest solche Gedanken nicht zulassen.“ Er hoffte das Triefnase seine zitternden Muskeln als ein Zeichen von Trauer und nicht Aufregung wahrnahm. Dies ist deine Chance! Zischte Ahornschatten. Handle mit bedacht. Du begibst dich auf dünnstes Eis und du solltest lieber nicht einbrechen.

Tigerkralle straffte die Schultern, als ob er eine Entscheidung getroffen hätte. „Triefnase, du musst den SchattenClan leiten bis der SternenClan seinen Wunsch äußert. Bis dahin werden meine Katzen und ich alles tun um euch zu helfen. Ich weiß, deine Clankammeraden sind doppelt verwundet, einmal von Braunstern und dann noch von der Krankheit die von den Ratten kam. Wenn du mich lässt, werde ich dir helfen sie zu heilen.“

Triefnase schniefte. „Ich danke dir, Tigerkralle“, miaute er. „Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann.“ Er humpelte über die Lichtung zu dem rankenbedeckten Stein und hievte sich hinauf. „Ich fordere alle Katzen auf, die alt genug sind um Beute zu machen, sich hier unter dem Stein zu versammeln!“

Der erdige Platz füllte sich mit trübäugigen Katzen die sich zusammendrängten wie Blätter in einem Fluss. Tigerkralle sah wie Stummelschweif sich neben Dämmerwolke setzte, wären Narbengesicht seine Schwanzspitze auf Eschenbeeres Schulter legte um sie auf einen leeren Platz zu führen.

„Was hast du zu Triefnase gesagt?“ flüsterte Haken in Tigerkralles Ohr.

„Das er und seine Clankammeraden unsere volle Unterstützung haben bis der SternenClan ihren neuen Anführer enthüllt.“

Ein überraschtes Flacken ging durch Hakens Augen. „Dieser alte Kater und sein Schwacher Clan könnten wirklich jede Menge Unterstützung gebrauchen“, kommentierte er.

Tigerkralle nickte. „In der Tat. Und wir werden dafür belohnt werden, keine Sorge.“

„Gut“, miaute Haken.

„Clankammeraden!“ begann Triefnase von der Spitze des Felsens aus. „Bald werden die Ältesten Nachtsterns Körper aus seinem Bau tragen und wir können unsere Totenwache beginnen. Da wir keinen Stellvertreter haben der seinen Platz einnehmen kann, werde ich euch leiten bis der SternenClan seinen Wunsch bekannt gibt. Selbst wenn wir um Nachstern trauern, muss unser Leben weiter gehen. Den schlimmsten Teil der Krankheit haben wir überstanden und wir müssen wieder Kraft schöpfen. Jagd und Grenzpatrouillen werden wie immer von statten gehen und das Kampftraining wird wieder aufgenommen.“

Er wurde vom Lärm der Stimmen unterbrochen.

„Wir haben die Krankheit gerade erst überstanden! Wir brauchen mehr Zeit um uns zu erholen!“

„Wie sollen wir jagen, unsere Grenzen patrouillieren und unsere Schüler trainieren?“

„Wir wollen unserem Clan dienen, Triefnase, aber du verlangst zu viel!“

Triefnases Augen verdunkelten sich vor Verwirrung und er trat einen Schritt zurück auf den Rand des Felsens zu.

Tigerkralle hob den Kopf. „Wenn ihr erlaubt, Katzen des SchattenClans, kann ich euch helfen. Meine Katzen und ich haben euren Frischbeutehaufen in den letzten Monden gut gefüllt. Jetzt seid ihr stark genug um selbst zu jagen, also warum sollten wir euch nicht mit den Patrouillen helfen, und das Kampftraining übernehmen?“ Er senkte den Blick und kratzte mit einer Pfote über den Boden. „Wenn ihr das wünscht, natürlich.“ Übertreibs nicht mit der Bescheidenheit Tigerkralle, warnte Ahornschatten. Das ist nicht gerade sehr überzeugend.

Triefnase trat wieder vor und zwinkerte dankbar. „Tigerkralle, wir werden alle Hilfe annehmen die wir kriegen können“, miaute er.

„Warte“, rief Hirschfuß. „Der SchattenClan hat immer allein überlebt. Warum sollten wir jetzt Außenseiter alles für uns machen lassen?“

Tigerkralle traf Hirschfuß‘ Blick. „Das ist nicht was ich vorhabe“, miaute er. „Wir wollen nur mit euch zusammen arbeiten, wollen euch Zeit zum Erholen geben jetzt wo die Gefahr der Krankheit vorüber ist.“ Er schaute sich um. „Katzen des SchattenClans, vergesst niemals das ihr von Feinden umzingelt seid die beim kleinsten Anzeichen von Schwäche angreifen werden. Ihr hattet Glück das ihr wärend der Krankheit in Ruhe gelassen wurdet. Aber könnt ihr es für immer verheimlichen? Es braucht nur eine scharfäugige Katze bei der Großen Versammlung, ein kleines Gerücht an der Grenze um die anderen Clans dazu zu bewegen eure Stärke zu testen. Der SchattenClan war schon immer der am meisten gefürchtete Clan im Wald und ich verspreche, dass ich nicht zulassen werde das sich das ändert!“

Die Kiefernbäume erzitterten als auf der Lichtung Jubel und Triumpfschreie explodierten.

„Er hat Recht! Wir können keine Schwäche den anderen Clans gegenüber zeigen!“

„Ich werde mit dir Trainieren, Tigerkralle! Bring mit alles bei was du weißt!“

„Der SchattenClan wird einmal mehr gefürchtet sein!“

Tigerkralle schloss die Augen und badete in der Wärme der Jubelrufe. Behalte dir diesen Moment gut in Erinnerung, flüsterte Ahornschatten. Denn so, fühlt sich Macht an.

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