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Schwache, creme farbene Strahlen aus Licht schimmerten durch die Äste und kündeten den Sonnenaufgang an. Wolkenstern versuchte sein Hinterbein zu strecken ohne Blumenfall dabei zu stören. Die alte Kätzin war, nachdem sie die Mohnsamen gegessen hatte, in einen tiefen Schlaf gefallen, der nur vom rumpelnden Schnarchen unterbrochen wurde. Wolkenstern war bei ihr geblieben, zu beunruhigt um ein Auge zu schließen, aber auch zu besorgt um Blumenfall alleine schlafen zu lassen. Sie war es gewohnt von den Fellen der anderen Ältesten an ihrer Seite gewärmt zu werden.

„Wolkenstern!“ miaute Rehauge sanft durch den totenstillen Bau. „Hör auf zu zappeln oder du wirst Blumenfall aufwecken! Warum gehst du nicht spazieren?“ Die Heiler Katze bewegte sich aus den Schatten hinaus. „Geh schon, ich werde bei Blumenfall liegen bis sie aufwacht.“

Wolkenstern hievte sich hoch, stolperte über seine tauben Pfoten und kroch aus dem Bau hinaus. Draußen war die Luft warm und winzige Fliegen summten um seine Ohren. Das Lager war still. Es war zu früh, selbst für die Morgenpatrouille. Wolkenstern kroch unter den Brombeere Busch und trottete durch die stillen Bäume. Wenigstens einmal herrschte Stille im Wald. Die Zweibeiner und ihre Monster waren so früh noch nicht wach. Aber die Stille fühlte sich falsch an. Wolkenstern spitzte die Ohren und versuchte die Geräusche irgendeiner anderen lebenden Kreatur zu hören. Kein Vogelgesang grüßte den Sonnenaufgang, keine Eichhörnchen sprangen über die Äste, nicht einmal Schmetterlinge flogen in den ersten Strahlen der Sonne. Der Wald fühlte sich leer, leblos, und zum ersten Mal in Wolkensterns Leben, abweisend an. Er tauchte in dem Teil des Waldes, wo die Bäume gefällt worden waren, auf und stellte sich auf einen zersplitterten Stumpf, um die Verwüstung zu betrachten. Dieser Teil des Waldes hatte sich mehr verändert, als Wolkenstern überhaupt wahrnehmen konnte. Wo waren die kleinen Pfade, die Rehe und Dachse benutzt hatten, die zum offenen Heideland führten? Oder der Stechpalmenbusch, der einst Wolkenstern und seine Schüler vor einem Hagelsturm geschützt hatte? All die Bäume waren fort und nun waren auf den grauen Quadraten aus Stein noch leuchtend rote Steine aufgestapelt worden. Manche Reihen waren hoch genug, sodass Lücken darin gemacht worden waren. Manche reichten bis zum Boden und andere hörten in der Höhe eines jungen Zweibeiners auf. Etwas rührte sich in Wolkensterns Gedächtnis. Diese Gebäude sahen vertraut aus… nur halb fertig, aber er hatte sie definitiv schon mal gesehen.

Zweibeiner Nester! Die Zweibeiner bauen neue Nester im WolkenClan Territorium!

Wolkenstern sah sich um. Das war sein zu Hause! Nicht das der Zweibeiner! Wolkenstern fühlte einen Schmerz in seinem Bauch, als ob ein Clankamerad gestorben wäre. Es gab keine Chance diesen Teil des Territoriums zurück zu gewinnen. Es war für immer verloren, an die Zweibeiner mit ihren Kindern und Monstern. Würden sie hier aufhören? Oder würden sie den Wald weiter verschlingen, baum für Baum, bis nichts mehr übrig war? Wolkenstern fühlte ein Jaulen in seiner Kehle aufsteigen. Er legte seinen Kopf zurück und ließ seinen Schrei über die halb fertigen Stein Nester hallen.

„Mein zu Hause! Mein geliebtes zu Hause!“



Seine Beine fühlten sich schwer wie Stein an, als er zurück zum Lager lief. Was sollte er seinem Clan sagen? Sie hatten es verdient wenigstens noch ein klein wenig Hoffnung zu haben. Vielleicht sollte Wolkenstern sie jetzt noch nicht mit der Wahrheit konfrontieren. Zumindest nicht, bis er einen Weg gefunden hatte, wie sie das Überleben konnten. Als er zwischen die Brombeerranken kroch wusste er, dass es noch nicht Zeit war, ihnen irgendetwas zu sagen. Ein leiser Klagelaut kam aus Rehauges Bau. Es waren Drosselfeder und Habichtschnee, die ihre Baugefährtin betrauerten.

Rehauge schlüpfte durch den Eingang ihres Baues und trottete hinüber zu Wolkenstern. „Blumenfall ist vor ein paar Minuten gestorben“, miaute sie. Ihre Augen waren Trüb vor Sorge. „Sie war friedlich am Ende. Sie schlief ruhig nachdem du ihr versprochen hast, das der WolkenClan ok sein würde.“

Wolkenstern schloss die Augen. Lauf schnell zum SternenClan, Blumenfall. Sieh nicht zurück. Deine Clankameraden werden dich vermissen, für immer.

Drosselfeder und Habichtschnee tauchten aus Rehauges Bau auf, mit den Rümpfen voran, als sie Blumenfalls Körper vorsichtig ins Sonnenlicht trugen.

„Wir werden heute für sie Totenwache halten“, erklärte Rehauge Wolkenstern. „Es ist heiß, also müssen wir ihren Körper zum Sonnenuntergang beerdigen.“

Wolkenstern nickte. „Hast du genug Kräuter?“ fragte er. Wachtelherz war den Ältesten mit einem Maul voll Grüner Pflanzen gefolgt und rieb diese nun in Blumenfalls Fell, sodass die Lichtung sich mit ihrem Duft füllte.

„Ich denke schon“, erwiderte Rehauge. Sie sah besorgt zur Kinderstube hinüber. „Ich gehe und sage es Haselflug, damit sie die Jungen vorbereiten kann. Wolkenstern, es passiert nicht oft, das ich meinem Anführer Anweisungen gebe, aber bitte geh heute nicht auf Patrouille. Du musst dich genauso wie jeder von uns ausruhen, und ohne dich wird der Clan überhaupt keine Hoffnung mehr haben.“

Wolkenstern legte sich neben Blumenfalls Kopf nieder. Ihre Augen waren geschlossen und sie sah aus als würde sie schlafen. Lass es dir gut gehen im SternenClan, meine alte Freundin. Die Luft neben ihm bewegte sich und Vogelflug setzte sich. Sie keuchte von der Hitze.

„Willst du lieber in den Schatten gehen?“ fragte Wolkenstern, doch Vogelflug schüttelte den Kopf.

„Mein Platz ist hier, an Blumenfalls Seite“, miaute sie.

„Es ist, als wäre ein weiterer Teil unserer Vergangenheit ausgelöscht worden, zusammen mit den Bäumen“, murmelte Wolkenstern, als er sein Kinn auf Blumenfalls Rücken legte.

„Ich weiß“, miaute Vogelflug. „Rehauge hat mir erzählt, dass du Blumenfall versprochen hast, es würde alles wieder gut werden und der WolkenClan würde sein zu Hause nicht verlieren. Aber wie kannst du dir da so sicher sein? Wir können nicht gegen die Zweibeiner kämpfen!“

„Der SternenClan wacht über uns“, erinnerte Wolkenstern seine Gefährtin. „Wenn wir aufgeben, zeigen wir ihnen nur, dass wir nicht darauf vertrauen, dass sie uns beschützen. Habe Vertrauen in sie, besonders jetzt, wenn Blumenfall zusammen mit ihnen wandelt.“

„Ich wollte, dass sie unsere Jungen sieht“, flüsterte Vogelflug.

„Sie wird sie sehen, wo auch immer sie ist“, miaute Wolkenstern. Bussardfeder teilte die Morgenpatrouillen ein, und führte eine von ihnen selbst an, bevor er sich Wolkenstern an Blumenfalls Seite anschloss. Haselflug hatte ihre Jungen zu ihnen geführt, alle vier schauten mit geweiteten Augen auf die bewegungslose Katze. Spatzenjunges hatte versucht Blumenfalls Ohr zu lecken, um zu sehen, ob sie jetzt anders schmeckte, und hatte einen Schlag auf ihr eigenes Ohr von ihrer verärgerten Mutter bekommen. Das ganze Lager war stiller als sonst, gedämpft von der Trauer. Die Sonne hatte gerade die Spitzen der Bäume erreicht, als das Rumoren der Monster wieder begann, und Blumenfalls Fell sacht durch das Beben der Erde zitterte.

Bussardfeder saß neben Wolkenstern. Still lagen sie da und atmeten den Geruch der Kräuter ein, jeder seinen eigenen Erinnerungen an die frühere Stellvertreterin nachhängend. Vogelflug war zurück in den Schatten getrottet, hatte sich auf die Seite gelegt und keuchte trotz des feuchten Mooses, das s Rehauge neben sie gelegt hatte.

Plötzlich knackten die Brombeeren und Mausezahn stürzte auf die Lichtung. „Holt Rehauge!“ schrie sie.

Hinter ihr erschien Nachtpelz’ Pelz zwischen den Dornen, mit dem Hinterteil voran führte er seinen Schüler Eichelpfote durch die Äste. Der grau getigerte Kater war mit Matsch beschmiert und hielt eine Vorderpfote über dem Boden. Er wimmerte jedes Mal, wenn er auf seinen anderen drei Beinen voran kroch. Wolkenstern sprang auf die Pfoten.

„Was ist passiert?“ verlangte er zu wissen.

Nachtpelz Gesicht war grimmig. „Wir waren jagen am Rand der Bäume.“ Er nickte in Richtung der Grenze, an der die Zweibeiner eingefallen waren. „Eichelpfote jagte ein Eichhörnchen auf den leeren Boden, wo die Zweibeiner die roten Steine hingelegt haben. Er ist in einen Graben gefallen, den sie gegraben haben.“

Rehauge war aus ihrem Bau gerannt und beschnüffelte nun Eichelpfotes Schulter. „Du hattest Glück“, kommentierte sie. „Ich denke nicht, dass irgendwelche Knochen gebrochen sind. Komm in meinen Bau und ich gebe dir etwas gegen die Schmerzen.“ Sie führte Eichelpfote davon und ließ ihn sein Gewicht auf ihre Schulter stützen.

Bussardfeder kam, um sich zu Wolkenstern und Nachtpelz zu gesellen. „Rehauge hat recht“, grollte er. „Eichelpfote hatte G so glimpflich davon zu kommen. Er hätte sich das Genick brechen können!“

Wolkenstern nickte. „Es ist zu gefährlich weiterhin dort zu jagen. Von nun an wird keine Katze mehr in die Nähe der neuen Grenze gehen. Nicht einmal, wenn alle Eichhörnchen des Waldes auf der anderen Seite sitzen.“

Nachtpelz sah ihn überrascht an. „Aber wir müssen doch was essen!“

„Wichtiger ist, dass wir am Leben bleiben“, erinnerte ihn Wolkenstern. „Dieses Territorium gehört nicht länger dem WolkenClan. Die Zweibeiner haben es uns gestohlen und wir können nichts dagegen tun. Wir werden einen anderen Weg suchen müssen, um genug zu Fressen zu finden.

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